Was die Politiker zur Bürgerbeteiligung sagen und was davon tatsächlich umgesetzt wird...

Brief eines Stadtrates und eine Antwort darauf

Um die kleine Grünfläche vor dem Haus, in der Siebenbrunnengasse 29 zu erhalten und zu verhindern, dass diese nach der Widmung in einen öffentlichen Park zubetoniert und und in einen 08/15 Beserlpark verwandelt wird, hat sich eine Anrainerin an die Agenda 21 gewandt und versucht mit Hilfe der Hausbewohner und Anrainer daraus einen "Ruhe- und Sinnesgarten" zu gestalten.
Für dieses "Engagement" dankte ihr der Stadtrat Schicker mit einer Radkarte für Wien und dem folgenden Brief:



Antwort:

Sehr geehrter Herr Stadtrat Schicker,

heute erhielt ich von Ihnen einen Brief sowie eine Radkarte als Dankeschön für mein Engagement in der Agenda.

Die Partizipation der Bürgerinnen in Planungsfragen
, schreiben Sie da, sei wesentlich für die Lebensqualität einer Stadt. Das ist richtig!

Bewohner und Bewohnerinnen würden als ExpertInnen für ihre Wohnumgebung anerkannt und dadurch die Qualität einer Stadt sowie die Identifikation mit dem Lebensumfeld deutlich erhöht.
Das wünschen wir uns!

Wien legt Wert auf das Engagement seiner BürgerInnen für ein nachhaltige
menschenfreundliche Gestaltung ihres Wohnviertels
, steht in Ihrem Brief.

Im Park aber hörte man es anders!
Da stand Ihnen am Montag im Bacherpark eine engagierte Bürgergruppe gegenüber, die genau weiß, was jene Wohnqualität bedeutet, die sie sich in ihrem Umfeld wünscht. Menschen, die wissen, was sie nicht wollen und die dies auch mit ihren Unterschriften gegen den Garagenbau zum Ausdruck gebracht haben.
BürgerInnen, die wissen, dass kein Stellplatzbedarf am Bacherpark und seiner Umgebung besteht und die wissen, dass Garagen in unmittelbarer Umgebung leer stehen, die sich Sorgen machen um die Sicherheit ihrer Kinder, künftig gefährdet durch Verkehr und durch Abluft aus Garagenentlüftungsschächten, die direkt in die Sport- und Spielplätze geleitet werden.
Menschen standen Ihnen im Park gegenüber, die sich informiert haben und wissen, dass das "Wiener Modell" ein „Pflanz“ ist, weil grosskronige, tiefwurzelnde Bäume auf einem Garagendach nicht wachsen können und auch jene Bäume gefährdet sind, die am Rand der Garage stehen. Alle unser Bedenken haben Sie einfach nicht zur Kenntnis genommen, sie weggewischt mit dem Hinweis, dass Ihnen andere Gutachten zur Verfügung stünden.
Dabei konnte ich mich des Eindrucks nicht erwehren , dass Sie während unserer Diskussion wider Ihr eigenes Gewissen gesprochen haben und Sie auf unserer Seite stünden, wenn sie nicht Verkehrstadtrat wären. Genauso wie Sie gegen Zwentendorf demonstriert haben, würden Sie heute gegen dieses unsinnige Projekt einer Tiefgarage protestieren, wenn sie nicht Verkehrsstadtrat wären.
Um nochmals auf die Agenda zurückzukommen: Dort hat man mir erklärt, die Tiefgarage unter dem Bacherpark wäre keine Thema für die Agenda, denn diese wäre ein reines Politikum.
Das, sehr geehrter Herr Stadtrat Schicker, ist die Realität, die schönen Worte in Ihrem Brief nur Schall und Rauch.
Mit freundlichen Grüßen und noch immer auf eine positive Wendung im Sinne der Bürger hoffend

Herta Wessely
1050 Wien

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