Klein-Hainburg in Wien
Seit einem Monat campen Aktivisten auf dem Wiener Bacherplatz. Mit Ausdauer
und Beharrlichkeit wollen sie den Bau einer Tiefgarage unter dem Platz verhindern.
wien (SN-zim). "Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft,
hat schon verloren", sagt Herta Wessely. Die 64-Jährige steht mit
einem dicken Anorak bekleidet in einem Plastikzelt. Ihre Kollegen essen gerade
zu Mittag. Alle sind in warme Winterjacken gepackt. Zum Glück haben Anrainer
den Aktivisten einen warmen Eintopf vorbeigebracht. Denn es ist kalt. Sehr
kalt. Und es gilt noch durchzuhalten. "Wir bleiben so lange, bis eine
Lösung gefunden ist", sagt Wessely.
Seit 9. Jänner campieren die Aktivisten der Bürgerinitiative "Bacherplatz" schon auf dem Platz im 5. Gemeindebezirk, um gegen den Bau einer Tiefgarage zu protestieren. Der Bau der Garage sei nicht notwendig, da es genug Stellplätze gebe. Außerdem sei der Park durch die Baustelle jahrelang nicht benutzbar, und alle Bäume müssten gefällt werden, argumentieren sie.
Der Kampf der Bürgerinitiative gegen die Entscheidung der SPÖ-Bezirksvorstehung währt schon seit Ende 2003. Zwei Jahre lang habe man mit "sachlichen Argumenten gekämpft", sagt Wessely. "Wir haben auch 2300 Unterschriften im Rathaus abgegeben. Keine Reaktion." Ausschlag für den Protest à la Hainburg war dann das Roden der ersten zwei Pappeln. Wessely ärgert sich, dass über den Kopf der Bürger hinweg entschieden wird. "Wären wir nicht da, hätten die Bauarbeiten schon begonnen."
Die Akzeptanz der Aktivisten bei den anderen Anrainern ist groß. Täglich werden die Demonstranten mit Getränken und Speisen versorgt. Auch die Politik hat die Bacherplatz-Aktivisten schon für sich entdeckt. Am Mittwoch schaute der Grünen-Chef Alexander van der Bellen mit Krapfen vorbei. Ursula Stenzel von der ÖVP hat schon Gulasch gespendet. Auch die KPÖ war da. Wessely: "Wir lassen uns nicht vereinnahmen, aber Unterstützung ist stets willkommen."
Wie es weitergeht? Die Baufirma hat ein Mediationsverfahren angeregt. Vielleicht kommt es zu einer Anrainerbefragung. Damit wäre auch die Bürgerinitiative einverstanden. Vielleicht wird die Garage auch wo anders gebaut. Wiens Bürgermeister Michael Häupl hat bereits gesagt, dass ihm die Standortfrage "völlig wurscht" sei.
© SN, SALZBURGER NACHRICHTEN, 16. Februar 2006