Von PROTEST
und PARKBESETZUNG
über eine MEDIATION
zu MITSPRACHE und MITBESTIMMUNG der Bürger/innen
Wie alles kam. Und warum und wozu das alles?
Als die Anrainer/innen vom Projekt "Volksgarage Bacherpark" erfuhren,
waren die konkrete Planungen bereits weit fortgeschritten und deren Verfolgung
in einer Bezirksvertreter/innensitzung mehrheitlich beschlossen worden. Im
Dezember 2003 hat sich dann die Bürgerinitiative Bacherpark ohne Tiefgarage
gebildet. In den letzten 2 ½ Jahren hat diese im Rahmen vieler Veranstaltungen
und Demonstrationen, mit Flugblättern und Öffentlichkeitsarbeit
ihre Kritik gegen eine Tiefgarage unter dem Bacherpark begründet vorgetragen
und auf die Mängel und Defizite in der Entscheidungsfindung für
das Garagenprojekt hingewiesen. (s. Gründe
und Argumente gegen die Tiefgarage)
Nachdem über 2300 Unterschriften und mehr als 190 Eingaben beim Gemeinderat
gegen die Errichtung einer Garage unter dem Bacherpark unberücksichtigt
geblieben waren und man außerdem noch versucht hatte, mit einer findigen
Grundstücksteilung den anrainenden Haus- und Wohnungseigentümern
die Parteienstellung im Verfahren zu entziehen - was letztendlich an deren
Einspruch scheiterte - , haben die Anrainer/innen nach Ausstellung eines positiven
Baubescheids seitens der Wiener Bauoberbehörde schließlich beim
VfGH Beschwerde gegen die für den Garagenbau vorgenommene Flächenumwidmung
mit der Begründung eines nicht nachgewiesenen öffentlichen Interesses
und Ungleichbehandlung eingereicht. Von Seiten der verantwortlichen Kommunalpolitiker/innen
erhielten die Anrainer/innen und die Bürgerinitiative keine oder völlig
unzureichende Antworten. Beharrlich wurde an den in den Jahren 1997 und 2002
gefassten Mehrheitsbeschlüssen, im Bacherpark eine Garage zu bauen, festgehalten.
Die geforderte Anrainer/innenbefragung wurde abgelehnt.
Protest und Kultur - WINTERFEST in Bacherpark!
Unmittelbar mit Inkrafttreten der Baugenehmigung im Dezember 2005 wurden die
ersten 4 Bäume gefällt. Anfang Jänner 2006 wurde der Kinderspielplatz
zur Vorbereitung für die Errichtung einer Baustelle demontiert. Daraufhin
hat die Bürgerinitiative am 9. Jänner mit acht Zelten den Park rund
um die Uhr besetzt.
Nebst größeren Protestkundgebungen und mehreren Kulturveranstaltungen
versammelten sich im Park und in der sogenannten Mehrzweckhalle täglich
dutzende Grätzelbewohner/innen, um ihr NEIN ZUR TIEFGARAGE zum Ausdruck
zu bringen. Der Bacherpark wurde zu einem Ort der Begegnung und des Austauschs
zwischen Menschen verschiedenen Alters und verschiedener Kulturen. Neben Nachbarschaftsfesten
und Kinderveranstaltungen, Bacherpark-Rap und DJ Line gab es Vorträge
und Lesungen. Trotz eisigster Temperaturen lebte der Park mitten im Winter
auf. Und viele Kinder kamen. Sie fühlten sich einfach wohl bei uns, in
unseren Zelten und in unserer "Mehrzweckhalle".
Wie weiter? - MEDIATION
Neben der Forderung nach einem Baustopp und einer Nachdenkpause erwartete
die Bürgerinitiative, dass es zu sachlichen Gesprächen und Verhandlungen
über den Park und die entsprechenden Entscheidungsgrundlagen für/gegen
eine Garage kommt. Erst nachdem die Bürgerinitiative - dank der großartigen
Unterstützungsleistungen und Solidaritätserklärungen seitens
der Anrainer/innen und Bacherparkfreund/innen - den ganzen Winter im Park
durchgehalten hat, haben sich die Politiker/innen nicht zuletzt aufgrund des
großen medialen Echos zu Gesprächen bereit erklärt.
Nach den ersten Prämediationsgesprächen im März 2006, in denen
einmal die Rahmenbedingungen für und Spielregeln innerhalb der Mediation
geklärt worden waren, haben alle daran Beteiligten - Vertreter/innen
der Gemeinde Wien und des Bezirks, der Initiative pro und der Baufirma sowie
der Bürgerinitiative gegen die Garage und der Aktionsgruppe LEB/vulgo
Agenda-Gruppe LEB - am 1. April 2006 gemeinsam eine Mediationsvereinbarung
getroffen. Erste Voraussetzung dafür war gewesen, dass von allen die
Ergebnisoffenheit der Mediation akzeptiert wurde.
Nach insgesamt 16 Sitzungen und ca. 100 Diskussionsstunden - in großen
Verhandlungsrunden und kleinen Arbeitsgruppen - kam es schließlich am
17. Mai 2006 zur Unterzeichnung des Mediationsvertrages.
Darin wurde eine Lösung des lang andauernden Konfliktes um den geplanten
Bau der Volksgarage Bacherpark gefunden.
"Zurück an den Start!" und "So nicht mehr!" -
MITSPRACHE und MITBESTIMMUNG
Die Gespräche sind abgeschlossen. In Anbetracht der bisherigen politischen
Vorgehensweise und der dieser zugrunde liegenden Beschlüsse, des Vorliegens
eines (noch) aufrechten Baubescheides und der ersten "Vorarbeiten"
wie Baumfällungen und Demontage des Kinderspielplatzes für die Einrichtung
einer Baustelle für den Garagenbau ist fast Unmögliches gelungen
- ein "Zurück an den Start!" und ein "So nicht mehr!"
1. Bürger/innenbefragung
Die Bürger/innen rund um den Bacherpark werden entscheiden, ob sie eine
Tiefgarage unter dem Bacherpark wollen oder nicht.
2. Mehr Mitbestimmung
Bei derartigen Projekten sollen die Bürger/innen künftig von Beginn
an eingebunden werden: subjektive Bedarfserhebung, Bürger/inneninformation,
Diskussionsphase und Bürger/innenbefragung.
Damit werden neue Weichen für eine nachhaltige und zukunftsfähige
Entwicklung im Bezirk gestellt. Eine Orientierung, die sich stärker an
einer umwelt- und sozial freundlichen Lebensgestaltung und Lebensqualität
ausrichtet und nicht an einseitigen Interessen, wie jenen der Bau- oder Autolobby.
Aber auch ein entscheidender Schritt weg von Verwaltungsbürokratie in
Richtung mehr (partizipative) Demokratie wurde damit gesetzt.
In Zukunft werden sich die Politiker/innen vermehrt den Ansprüchen und
Forderungen der Bevölkerung stellen müssen!