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Brief der Bürgerinitiative Bacherpark an den Chef der Wiener ÖVP Johannes Hahn (21.Nov 2004):

In der Antwort (25.Nov 2004) ist nichts von der versprochenen "Dynamik" zu bemerken...

Sehr geehrter Herr Dr. Hahn,
„Kritik wird auf Eis gelegt - wir von der ÖVP wollen das ändern", liest man auf Ihrer Homepage.
Also wollen wir unsere Kritik bei Ihnen deponieren – und lassen Sie uns bitte wissen, wie Sie damit umgehen.
Die Bürgerinitiative Bacherpark kämpft seit einem Jahr gegen die Errichtung einer Tiefgarage unter diesem Park. Es gärt und brodelt im Bezirk, 2300 Unterschriften wurden gegen das Projekt gesammelt, 190 fundierte Stellungnahmen gegen die Umwidmung des Grundstückes wurden im Gemeinderat abgegeben.
Seit Mai dieses Jahres aber kämpfen wir nicht mehr alleine, 5 andere Bürgerinitiativen habe sich uns angeschlossen, aus den verschiedensten Bezirken, die überall, so wie wir gegen „Volksgaragen“ antreten, wir repräsentieren damit den Unmut tausender Leute. Am 10. 11.2004 haben wir mit diesen BIs gemeinsam zu einer Pressekonferenz eingeladen, bei der der VCÖ seine neueste Studie "Tiefgaragen als Verkehrserreger" präsentiert hat.
Diese Studie belegt mit Fakten und Zahlen, dass das Konzept der "Volksgaragen" veraltet ist, keine Lösung für die Zukunft bringt, sondern im Gegenteil mehr Verkehr verursacht. Das Finanzierungsmodell ist außerdem mehr als hinterfragungswürdig.
Zu dem kommt noch, dass es in den meisten Fällen keinen Bedarf für Garagen gibt, im Fall Bacherpark stehen 100 Garagenplätze in nächster Umgebung leer, in anderen Fällen sind es noch mehr.
Leider haben wir im Bezirk auch keine Unterstützung der ÖVP bekommen! Trotz aller vorgebrachten Argumente hält die ÖVP im 5. Bezirk beharrlich an der Parteilinie fest, Frau Mojzis äußert noch immer, dass eine Garage unter dem Bacherpark eine Investition in die Zukunft sei.
Der am 17.11.2004 in der „Presse“ erschienene Artikel "Millionen verschleudert" von Michael Lohmeyer hat wie kein anderer vorher aufgezeigt, warum so vehement an diesem Projekt festgehalten wird und vor allem, wer daran verdient.
Es wird immer mehr offenkundig, dass Bürgern ein "Geschenk" versprochen wird, das sie nicht wollen und (nicht brauchen), das sie aus eigener Tasche bezahlen und in Wirklich verdienen nur Errichter und Betreiber daran und das ist fein aufgeteilt zwischen Rot und Schwarz.
Wie soll da also glaubhaft werden, dass Ihre Partei eine andere Linie vertritt als die SPÖ ?
Herzlichen Dank für Ihr Mail. Ich schätze Ihr Engagement und Ihre Bereitschaft, sich mit Ihren Anliegen an mich und die Stadtpartei zu
wenden. Als Betreuungsmandatar für den 5. Bezirk bin ich über die Diskussion um die Volksgarage Bacherpark natürlich voll informiert. Die ÖVP Wien unterstützt den Bau von Volksgaragen mit dem Argument, die Straßen so weit wie möglich von Autos frei zu machen und wieder als öffentlichen Raum den Bürgerinnen und Bürgern zu Verfügung zu stellen. Es gibt unserer Meinung nach noch viel zu wenig leistbare Garagenplätze unter der Erde. In den nächsten Jahren wird laut Masterplan mit einem enormen Zuwachs an PKWs gerechnet (etwa 100.000 in den nächsten 15 Jahren), aber nur 6000 unterirdische Garagenplätze sind geplant und in Bau. Hier muss rechtzeitig gehandelt und für ausreichend Stellplätze gesorgt werden. Konkret zur Volksgarage Bacherpark möchte ich unterstreichen, dass nicht zuletzt dank Ihrer Bürgerinitiative der Bau unter möglichst großer Schonung der Umwelt durchgeführt wird. Die ÖVP Wien hat die Forderung unterstützt und durchgesetzt, dass der Bacherpark beim Bau der Volksgarage keinen Schaden erleiden darf. Die Garage wird ausschließlich unter den Hartplätzen der Schule und des Spielplatzes errichtet. Unsere Klubobfrau in Margareten, Marie-Luise Mojzis, hat Sie in Ihren Bemühungen stets angehört und unterstützt, indem sie sämtliche Information aus dem Rathaus und Material zur Sachlage zur Verfügung gestellt hat. Außerdem steht die ÖVP Wien aus demokratiepolitischen Überlegungen heraus hinter der Forderung, bezirksweite Bürgerbefragungen bei relevanten Projekten durchzuführen. Trotz unterschiedlicher Meinungen in dieser Sachfrage schätze ich engagierte Bürgerinnen und Bürger, wie Sie es sind, sehr. Aktive Stadtpolitik und ein modernes urbanes Wien leben mitunter von einer regen Zivilgesellschaft. In diesem Sinne danke ich Ihnen für Ihr Engagement für die Stadt, denn wir haben ein gemeinsames Ziel, nämlich "Mehr von Wien".

Mit freundlichen Grüßen
Ihr Gio Hahn